Sporthomedic

Schulterluxation

Was tun bei erstmaliger Luxation der Schulter? Welche strukturellen Schäden treten bei einer Erstluxation auf und welche therapeutischen Konsequenzen resultieren daraus? Operieren oder eher konservativ behandeln?

Auf dem Kongress der American Orthopaedic Society for Sports Medicine wurde eine Studie vorgestellt, dass die konservative oder operative Behandlungsform neben dem Alter auch von der sportlichen Aktivität der Patienten abhängig ist.

Im Rahmen der Studie wurden im Militärausbildungsstützpunkt West Point, NY, USA Schulterluxationen bei den jungen Kadetten untersucht. Einschränkend sollte bei der Interpretation dieser Studie auf die spezifische Altersgruppe (19-22 Jahre) verwiesen werden.

Bei 92% der Patienten, deren Schulterluxation konservativ behandelt wurde, luxierte die Schulter erneut, so Dr. Robert Arciero, West Point, NY, USA. Diese eher schlechte Erfolgsbilanz deckt sich mit Ergebnissen europäischer Studien, die eine Reluxationsrate zwischen 40-92% beschreiben. Bei älteren Patienten (z.B. zwischen 35-40 Jahren) zeigt sich eine deutlich niedrigere Reluxationsrate unter konservativer Therapie (über 80%), so dass in Abhängigkeit von Alter, Begleitverletzungen und sportlicher Aktivität ein konservatives Vorgehen durchaus gerechtfertigt erscheint.

Schulterluxationen entstehen am häufigsten im Rahmen von Sportunfällen (Wintersport, Kontaktsport) oder Stürzen. Nach primärer Reposition, die in der Regel durch einen Notarzt vor Ort oder einen Klinikarzt erfolgt, zeigen sich in der Röntgendiagnostik neben einer Hill-Sachs-Delle (knöcherne Läsion im Oberarmkopfbereich) und Arthrosezeichen häufig keine weiteren Begleit-verletzungen. Es wird daher im Verlauf eine MRT-Diagnostik angestrebt. Hierbei lassen sich insbesondere Weichteilverletzungen abgrenzen, die im Wesentlichen das Therapiekonzept bestimmen.

MRT Schulter Normalbefund


Bei jüngeren Patienten entstehen bei Schulterluxationen häufig sog. „Bankart“-Läsionen: Es handelt sich hierbei um Ein- oder Abrisse der knorpeligen Pfannenlippe, die den Oberarm im Schultergelenk stabilisiert.




Bei älteren Patienten treten dagegen häufiger Begleitverletzungen im Bereich der Rotatorenmanschette (Total- oder Teilruptur) oder Abrissfrakturen des Oberarmkopfes (Tuberculum majus Fraktur) auf.


Eine operative Therapie sollte vor allem bei jungen Patienten mit ausgeprägten Begleitverletzungen (wie oben beschrieben) und hoher sportlicher Aktivität (vor allem Überkopfsportarten wie Tennis, Handball, Volleyball etc.) angestrebt werden. Mittlerweile werden vermehrt arthroskopische Operationen durchgeführt, mit eindeutig sehr guten Ergebnissen.

Im Rahmen der o.g. Studie hat eine Nachuntersuchung von 39 Patienten nach im Schnitt elf Jahren demonstriert, dass die Funktion der Schulter auch nach mehr als zehn Jahren exzellent ist, wie Dr. Brett Owens, El Paso/TX, USA, resümierte.

Die Befragung der Operierten ergab, dass die Funktionsfähigkeit der Schulter durchschnittlich 93% im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Luxation betrug. Die erneute Luxationsrate betrug etwa 10% und ist damit gegenüber dem offenen Verfahren mittels Hautschnitt etwas höher.

Mit Blick auf die Kurz- und Langzeiterfolge einer arthroskopischen Schulter-OP empfehlen wir daher für junge, sportlich aktive Menschen den chirurgischen Eingriff bei erstmaliger Schulterluxation mit entsprechenden Begleitverletzungen.

Für ältere Patienten und Patienten, die überwiegend sitzenden beruflichen Tätigkeiten nachgehen und nur geringe sportliche Ambitionen haben, ist die konservative Therapie (Physiotherapie, initiale Ruhigstellung für längstens 8-10 Tage) durchaus Mittel der Wahl.

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